Optimale Begleitung in der neuen Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums

29.01.10

Beste Voraussetzungen für den ersten G8-Jahrgang schaffen

Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Stärkung der neuen gymnasialen Oberstufe vorgestellt. Hauptziel: Die Schülerinnen und Schüler sollen intensiv bei der Einführung der Oberstufe des achtjährigen Gymnasiums begleitet werden, damit der erste Jahrgang sein Abitur erfolgreich bewältigt. „Wir steuern den Prozess der Einführung der Oberstufe auf der Basis eines intensiven Monitorings systematisch und konsequent. Die Schüler werden von den Lehrkräften vor Ort intensiv begleitet,“ so Spaenle.

Neugestaltung des Gymnasiums
Im Zentrum der neuen Oberstufe steht eine stärkere individuelle Förderung der Schüler:

  • Intensivierungsstunden
  • Schaffung von zusätzlichen Stellen im Umfang von 3.900 Vollzeitstellen (davon 1.300 für Intensivierungsstunden)
  • neues Lehrplankonzept mit Schwerpunkt auf Grundwissen und Kernkompetenzen, mit Entlastung von Detailwissen und mehr Freiräumen.
Ebenso wird der Ausbau der Betreuungsangebote am Nachmittag vorangetrieben.
Erste Erfolge bei der Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe zeichnen sich bereits jetzt ab:
  • nahezu Halbierung der Wiederholerquote auf 1,7 Prozent
  • gleichzeitig deutliche Steigerung der Übertrittsquote auf rund 40 Prozent aller Schüler eines Jahrgangs
  • durchschnittliche Klassenstärke von 27 Schülern.


Nachsteuern bei den Lehrerstunden
In der Praxis hat sich gezeigt: Die bisherige Anzahl an Lehrerstunden reicht noch nicht ganz aus. Deshalb sollen die Lehrerstunden substantiell um 3,6 Prozent erhöht werden. Das ermöglicht den Schülerinnen und Schülern am Gymnasium ein vielfältiges Wahlangebot an Fächern und Seminaren. Zugleich können damit ausgesprochen günstige Kursgrößen erreicht werden: 20 Schüler in den Fachkursen, 13 in den Wissenschaftspropädeutischen– und Projekt- Seminaren (W– und P-Seminare).

Neue Stundenpläne
In einigen Fällen kommt es bei Schülerinnen und Schülern der neuen gymnasialen Oberstufe zu einer hohen zeitlichen Beanspruchung (teilweise 36 Wochenstunden und mehr). Daraus resultiert eine oft sehr hohe tägliche Verweildauer an der Schule.
Die Gründe dafür sind vielfältig:
  • Fast 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler belegen freiwillig mehr Fachkurse als vorgeschrieben.
  • Verstärkt Nachmittagsunterricht, z. T wegen des Raumangebots bzw. des sehr breiten Fächerangebots.
Zur Entschärfung der Situation soll jedem Schüler zum 2. Halbjahr des laufenden Schuljahres ein Wechsel seiner Kurse ermöglicht werden. Dies soll durch die Intensivierung der Beratung durch die zuständigen Oberstufenkoordinatoren unterstützt werden.

Gewichtung der Leistungsnachweise
Künftig soll kleineren Leistungsnachweisen (z.B. mündlichen Noten) höheres Gewicht zugemessen werden, um die individuelle Belastung der Schüler zu entschärfen. Gleichzeitig können schwache Halbjahresleistungen wie bisher gestrichen werden und gehen nicht in die Abiturnote ein. Eine neue „Joker-Regelung“ erlaubt es nun noch zwei weitere Halbjahresresultate zu streichen. Darüber hinaus sollen die Schulen selbst ihre Freiräume nutzen, um beispielsweise unangekündigte Leistungsnachweise auf das nötige Maß zu beschränken. Die Zahl der Schulaufgaben gegenüber der Kollegstufe bleibt jedoch unverändert.

Nachsteuerung bei den Lehrplänen
Der Lehrplan der neuen gymnasialen Oberstufe wurde bereits in drei Schritten deutlich abgeschmolzen. So umfasst ein Fachlehrplan für ein Oberstufenschuljahr im Durchschnitt nur noch zwei Seiten! Der Unterricht konzentriert sich auf den zentralprüfungsrelevanten Kernstoff, wobei klar gilt: Nur der gekürzte Lehrplan ist Gegenstand von Unterricht, Leistungsnachweisen und Abitur. Zudem soll eine weitere Unterstützung und Beratung der Lehrkräfte erfolgen.

Anforderungen der Abiturprüfungen
Das bewährte bayerische Abitur bleibt gesichert. Neu im Vergleich zur Oberstufe im neunjährigen Gymnasium sind folgende Punkte:
  • Fünf-Fächer-Abitur mit den Grundlagenfächern Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache
  • zwei neu eingeführte Seminare (W– und PSeminare)
  • Orientierung der Abiturprüfungen an den bisherigen Grundkursen und nicht an den bisherigen Leistungskursen.


Abitur-Vorbereitung
Bis zum Halbjahreswechsel will das Kultusministerium umfangreiche Musteraufgaben und Publikationen zur Abiturvorbereitung zur Verfügung stellen. Damit sind die strukturellen Voraussetzungen für optimale Vorbereitung beider Abiturjahrgänge im Jahr 2011 geschaffen. Die systematische Prozessteuerung wird im Dialog mit den betroffenen Schülern, Eltern und Lehrkräften fortgeführt werden.

Fakten zur Stundentafel:
  • Bayern bietet mit 265 Wochenstunden ein passgenaues Angebot und hält sich damit an die Mindestvorgaben der Kultusministerkonferenz.
  • In den Jahrgangsstufen 11 und 12 sind durchschnittlich 30 Wochenstunden für Fachkurse vorgesehen.
  • In den Halbjahren 11/1 mit 12/1 kommen die beiden neuen W– und P-Seminare mit einem Arbeitsaufwand entsprechend je 2 Wochenstunden hinzu.
  • Zum Vergleich: 34 Wochenstunden in der Beruflichen Oberschule und in der Mittelstufe des Gymnasiums.

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